Interviews mit Masayo Ave und Danny Venlet

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Foto: Masayo Ave

„Was ist ökologisch sinnvoller: wenn wir Plastikflaschen recyceln oder wenn wir Wasser aus dem Hahn trinken? Heute sagt jeder, dass er grün ist, weil er Plastikflaschen recycelt. Aber wir müssen viel weiter unten an der Basis ansetzen.“ Danny Venlet 

Ökologische Verträglichkeit und Nachhaltigkeit zählen inzwischen innerhalb der Zulieferbranche zu den Standardanforderungen bei Qualitätsprodukten, sind sich die Designer Masayo Ave und Danny Venlet einig. Die beiden Ausnahmedesigner habe ich im Vorfeld zur Zulieferer-Messe (nicht nur) für Möbelzubehör interzum in Köln getroffen. Für Danny Venlet ist Nachhaltigkeit schon lange kein Trend mehr, sondern eine Grundsatzhaltung. Er wünscht sich auch im Design etwas von der Bodenständigkeit, die viele Unternehmen der Zulieferindustrie auszeichnet, und fordert ein grundsätzliches Umdenken: „Was ist ökologisch sinnvoller: wenn wir Plastikflaschen recyceln oder wenn wir Wasser aus dem Hahn trinken? Heute sagt jeder, dass er grün ist, weil er Plastikflaschen recycelt. Aber wir müssen viel weiter unten an der Basis ansetzen.“ Danny Venlet erwartet dabei auch Impulse von neuen Materialien wie dem Bananenblatt-Furnier und anderen Innovationen der Zulieferbranche: „Für einen Designer gibt es hier eine Menge Ausgangsmaterialien: Furniere, Laminate, Beschläge und vieles mehr. Es ist wichtig für uns, neue Materialien zu erhalten, mit denen wir arbeiten können. Das ist eine Inspirationsquelle. Es ist aufregend, all diese Produkte zu sehen.“ Doch es gibt auf der interzum auch Produkte, die kaum mehr der Hand eines Designers bedürfen. Wie die Matratze Smart Wrap von Bekaert Textiles, die mit Sensoren ausgestattet ist, die Körperfunktionen wie Blutdruck oder Temperatur messen und dokumentieren. Mit den Daten kann der Arzt im Ernstfall schneller zu einer Diagnose kommen. Auf einem Markt, der sich in Zukunft auf die Bedürfnisse eine älteren Gesellschaft einstellen muss, ist ein solches Produkt nicht nur für Krankenhäuser geeignet, sondern auch für die politisch gewollte Gesundheitsprävention zuhause, analysiert Masayo Ave, und ergänzt: „Es wird eine Menge leicht zu handhabender Produkte etwa zum Blutdruckmessen geben – aber eben nicht als Extra-Systeme, sondern integriert – zum Beispiel im Bett. Diese intelligente Matratze ist für mich ein Beispiel für die Art lang erwarteter Lösungen, die in die Zukunft weisen.“