Design Report Special interzum 2011

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Photo: Photocase

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Böden aus Bananen zum Beispiel 

Unsere Häuser können wir noch nicht mit Bananenblättern bedecken, wohl aber unsere Fußböden. Was nach Naturromantik aus dem Dschungelbuch klingt, ist die neueste Entwicklung auf dem Gebiet der Holzindustrie. Dabei handelt es sich streng genommen nicht um Holz, sondern um Blätter, die zu Furnieren und Platten verarbeitet werden. 

 

Und zwar aus einem Abfallprodukt: Dem 20 Kilo schweren Fruchtbündel kann die Bananenstaude nämlich nicht standhalten – sie knickt um und stirbt ab. Ein ganz normaler Vorgang, denn jede Bananenstaude trägt nur ein einziges Mal Früchte. Nach der Ernte verrottet der abgeknickte Teil der Staude und setzt dabei große Mengen an CO2 in Form von Methan frei. 

 

Auf den Trichter mit den Bananenblättern gekommen ist der monegassische Furnierspezialist 3W Tout Bois. Er entdeckte, dass dieses Nebenprodukt der Bananenernte als neuartige Faser unter anderem für Furniere und Parkettböden genutzt werden kann. Nach drei Jahren Entwicklungszeit wurde dieses Jahr „Beleaf“ als Öko-Label des aus der Mailänder Industrieregion stammenden Global Players gegründet. Der Name steht für „Biological, Engineered leaves“ und spielt mit der Wortbedeutung von „belief“ – englisch für „Glauben“ bzw. „Überzeugung“. Die Designszene dürfte das ökologische und angeblich völlig unbedenklich zu produzierende Rohmaterial in jedem Fall als neue Herausforderung willkommen heißen. 

 

Zumal die natürlichen Eigenschaften des Materials, die durch ein patentiertes Verfahren bei der Verarbeitung erhalten bleiben, weitere Vorteile bieten: Da Bananenstauden in sehr feuchtem Klima wachsen, sind die Fasern auf natürliche Weise wasserabweisend. Zudem sind sie durch ihre holzartige Ummantelung schwer entflammbar. Eine besondere Herausforderung für die Formgebung dürften die kleinen Plattenformate und die ausgeprägte Maserung des Werkstoffs darstellen. 

3W Tout Bois erwartet von Beleaf nicht weniger als ökologische und nachhaltige Lösungen für diverse Industriebereiche vom Bootsbau über die Automobilausstattung, Fußböden und Furniere bis hin zum Möbelbau. Auch prominente Anhänger hat Beleaf bereits gefunden. So wird das Unternehmen durch die Stiftung von Fürst Albert II von Monaco unterstützt, die sich für Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung einsetzt. Aktuell wurde Beleaf beim Interzum Award die Auszeichnung Best of the Best verliehen. 

 

Die Konzeption und die Erstellung des Design Report Specials hat richtig Spaß gemacht, weil der Blick hinter den Kulissen der Möbelfertigung überaus interessant ist. Das Special behandelt nicht nur die aktuellen Neuheiten rund um Möbelzubehör, Farben, Materialien oder Furnieroberflächen, sondern geht den aktuellen Entwicklungen – allen voran dem Green Design – auf den Grund. Hier geht es zur PDF-Ausgabe des Sonderheftes.