Interview mit Jean-Philippe Delhomme

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Illustration: Jean-Philippe Delhomme

Gemeinhin begegnen uns Armaturen, Badewannen, Duschhimmel und Waschtische, ja sogar Toiletten als hochglanzpolierte Stars in perfekt gestylter Kulisse. Oder als elementare Wasserspender, die uns der Natur näher bringen. 

Doch in der neuen Anzeigenkampagne des Badmöbel-Herstellers burgbad sind sie nicht die Stars, sondern bilden nur die Kulisse – für die Menschen, die mit ihnen leben. „Das Produkt ist ein Element, mit dem die Charaktere spielen können“, erläutert Illustrator Jean-Philippe Delhomme die von ihm gestalteten Anzeigenmotive. „Ich versuche, das Produkt nicht zu isolieren, sondern es vielmehr in die Szene zu integrieren, als einen Teil des Lebens meiner Figuren.“ 

 

Mit Jean-Philippe Delhomme hat burgbad einen Künstler von internationalem Rang als Botschafter gewonnen. Der in Paris und New York lebende Modezeichner, Poet und Karikaturist liebt und lebt Lifestyle – ein Gefühl, das er als fabulöser Illustrator und geistreicher Autor zahlreicher Bücher süffisant und abwechslungsreich zum Ausdruck bringt. Die Illustrationen für Barneys New York Anfang der 90er-Jahre und die anschließende, preisgekrönte Fernsehspot-Serie mit Delhommes Animationsfilmen markieren den Auftakt seiner Arbeiten für Kunden wie SAAB, VISA oder Le Bon Marché in Paris. Seine Publikationen sind kritische Analysen und Chroniken von Architektur, Design, Mode und zeitgenössischer Kunst. Er zeichnet und schreibt außerdem regelmäßig für internationale Magazine wie The Los Angeles Times Magazine, GQ, Grazia Casa und AD. 

 

Die burgbad-Motive zeigen Menschen in ihrem Bad bei allerlei Beschäftigungen – beim Auswählen der Kleidung und entsprechendem Posieren, bei einer ausgelassenen Damen-Schuh-Party, beim festlichen Dinner oder beim entspannten Arbeiten. Der Hygieneaspekt hingegen bleibt völlig außen vor. „Wenn ein Badezimmer gut gestaltet ist, wird es zu einem Raum, in dem wir uns genauso gut aufhalten und Dinge erleben können wie in jedem anderen Raum des Hauses: wie im Arbeitszimmer, in der Küche, oder sogar im Wohnzimmer“, argumentiert Delhomme. Damit befindet er sich ganz in Übereinstimmung mit der Sanitärbranche, die seit einigen Jahren einen Trend zum Wohnbad feststellt. 

Illustration: Jean-Philippe Delhomme

Illustration: Jean-Philippe Delhomme für burgbad 

In einer neuen Anzeigenkampagne von burgbad stellen Sie Menschen im Bad dar. Wie wichtig ist eigentlich das Produkt für Ihre Zeichnungen? 

Jean-Philippe Delhomme: Das Produkt ist ein Element, mit dem die Charaktere spielen können. Ich versuche, das Produkt nicht zu isolieren, sondern es vielmehr in die Szene zu integrieren, als einen Teil des Lebens meiner Figuren. 

 

Warum gab es bis zu Ihren Bildern so wenig distinguierten Humor in der Darstellung des Bades? 

Jean-Philippe Delhomme: Das liegt wohl daran, dass das Badezimmer etwas Privates ist, das meistens nicht dazu gedacht ist, gezeigt zu werden. Manchmal halten die Leute ihr Bad auch nicht für schön genug, um gezeigt zu werden. Es ist ein schmaler Grat zwischen Scham und Exhibitionismus. 

 

Wen, glauben Sie, werden Sie mit Ihren Bildern von modernem Lifestyle im Bad am ehesten ansprechen? 

Jean-Philippe Delhomme: Menschen, die eine bestimmte Art von Humor teilen und die verstanden haben, dass das Badezimmer ein schön gestalteter Raum sein kann, und die, ohne Exhibitionisten zu sein, ihre Zeit ohne Schamgefühle im Badezimmer verbringen. 

 

Ihre Bilder zeigen das Bad als bewohnte Räume, die allen möglichen Zwecken dienen – allen außer baden, duschen, waschen etc. Hat sich die Nutzung des Bades in unserer Wohnkultur verändert? Und wofür nutzen Sie Ihr Bad (außer zum Waschen)? 

Jean-Philippe Delhomme: Ich glaube, wenn ein Badezimmer gut gestaltet ist, wird es zu einem Raum, in dem wir uns genauso gut aufhalten und Dinge erleben können wie in jedem anderen Raum des Hauses: wie im Arbeitszimmer, in der Küche, oder sogar im Wohnzimmer. Ich persönlich nutze das Badezimmer als ein Badezimmer, aber ich muss sagen, dass mir die meisten meiner Ideen beim morgendlichen Duschen eingefallen sind. 

 

Was ist für Sie „Badkultur“? 

Jean-Philippe Delhomme: Es ist ein Teil der Aufmerksamkeit, die wir heute den Details widmen – der Art, wie wir ein Haus dekorieren und wie wir darin leben. Es ist auch Teil der gegenwärtigen Tendenz, Zuflucht im Privaten zu suchen und sich selbst etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Gleichzeitig wollen wir diesen Ort der Intimität zu einem genauso gut gestalteten und interessanten Raum machen wie jeden anderen im Haus – zu etwas, das man nicht zu verstecken braucht. 

 

Es gibt viele Beispiele für Kommunikationsstrategien, die das Bad als Raum der Begegnung mit dem Element Wasser oder auch der Begegnung mit uns selbst inszenieren. Nehmen wir das Bad manchmal zu ernst? 

Jean-Philippe Delhomme: Wasserfälle und Sandstrände sind natürliche Elemente, während es im Badezimmer um Design geht, und um Dekoration. Es erinnert uns daran, dass wir doch letztlich Stadttiere sind. Und das sollte uns davor bewahren, uns allzu ernst zu nehmen. 

 

Was ist heute Luxus, und welche Rolle spielt er in unserem Lebensstil? 

Jean-Philippe Delhomme: Wahrer Luxus ist Einfachheit, und das ist eine fortwährende Suche.