Ronan & Erwan Bouroullec im Centre Pompidou Metz: Design für Nomaden

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Photo: Frank A. Reinhardt

Sie wollen doch nur spielen 

Eine gerade eröffnete Werkschau in der neuen Dependance des Pariser Centre Pompidou zeigt eine Auswahl der Arbeiten des französischen Brüderpaares aus den letzten fünfzehn Jahren. Die Galerie 3 des nach Plänen der Architekten Shigeru Ban und Jean de Gastine errichtete Centre Pompidou Metz bietet den Brüdern mit ihren über 1.000 m² eine Spielwiese ungeheuren Ausmaßes. Hier haben die beiden Designer Produkte von Vitra, Magis, Alessi, Established & Sons, Axor Hansgrohe, Kartell, Kvadrat, Cappellini und Ligne Roset nebeneinandergestellt und –installiert, ohne dass dem Besucher eine szenografische Verknüpfung ins Auge springen würde. Das einzige, was die Arbeiten, Installationen und Experimente zu verbinden scheint, ist das Spielerische. Wie sehr die Designer nicht nur mit dem Maßstab der Objekte und den Erwartungen der Betrachter spielen, sondern auch mit dem Raum selbst, wird vielleicht erst in einer Halle dieses Ausmaßes offensichtlich. 

 

„Biwak“ nannten Ronan und Erwan Bouroullec ihre Ausstellung treffend. „Das Design ist Teil der Umwelt, die uns täglich umgibt. Mit dieser Ausstellung machen wir eine der konstanten Problematiken unserer Arbeit erfahrbar: die Suche nach zeitgenössischen Lösungen, Räume einzuruchten. Alle Zwischenwände und die verschiedenen Möbel, die diese Präsentation strukturieren, sind als nomadische Elemente konzipiert worden. Unser Atelier ist voll von laufenden Projekten: Dieser Biwak ist somit ein vorübergehendes ‚Quartier‘.“ 

Photo: Frank A. Reinhardt
  • Photo: Frank A. Reinhardt

    Fotos: Frank A. Reinhardt 

  • Photo: Frank A. Reinhardt

    Claudia Wanninger 

  • Photo: Frank A. Reinhardt
  • Photo: Frank A. Reinhardt

    Claudia Wanninger 

  • Photo: Frank A. Reinhardt
  • Photo: Frank A. Reinhardt

    Centre Pompidou Metz 

Die große Dimension tut dabei der Wahrnehmung ihres Werks ausgesprochen gut. Egal, ob die Raumtrennungssysteme Algues (Vitra) und Clouds (Kvadrat), die Regale Self Shelf (Vitra) und Brick (Cappellini), das Alcove Sofa und das Büromöbelsystem Joyn (beide Vitra,) oder die Lampen Liane (Galerie Kreo) und Piani (Flos) – ihre Produkte kreieren ihren eigenen Raum, schaffen Intimität inmitten einer grenzenlosen Umgebung, ohne einzuengen, Sicherheit vor einer Außenwelt, ohne sich abzuschotten. Denn sie ist nicht feindlich gesinnt. Das Universum der Bouroullecs ist offen, voller Überraschungen und Potenziale, die entdeckt werden wollen. Wer die Welt noch einmal aus Kinderaugen sehen will, voller Sinnlichkeit und Spaß am Objekt, wenn auch freilich ohne deren Naivität, der sollte nach Metz reisen. Zeit genug hat er dafür: Die Ausstellung läuft noch bis zum 30. Juli 2012. 

 

Claudia Wanninger