Design Report Special
interzum 2011


Cover: Discodoener

Die Nachhaltigkeit unter der Oberfläche

In den guten alten Zeiten, als alles noch viel einfacher war, ging es im Design eigentlich nur um eines: die Form. Doch das ist lange vorbei. 

Heute umfasst die Aufgabe des Designs ganzheitliche Konzepte, die unter anderem Materialien, Produktionsbedingungen, Nachhaltigkeit, Konsumentenbedürfnisse, Gerüche, Recyclingqualitäten, Farbdesign und Verpackungsaufwand mit berücksichtigen. Eine Messe wie die interzum, die internationale Zulieferermesse in Köln, bringt alle zwei Jahre wieder etwas Bodenständiges, ja fast Banales in das Berufsleben des Designers zurück. Hier findet er Handfestes wie Beschläge, Ausbau- und Möbelbaumaterialien in massiver oder Leichtbauweise, Leder und Textilien für Polster und Böden, Oberflächen in allen erdenklichen Farben, Strukturen und Funktionen bis hin zu Schäumen und Schaummaschinen für Polster und Matratzen – ein Platz zum Stöbern, Ausprobieren und Austüfteln. Etwas für echte Handwerker. 

 

Doch auch diese Idylle wird durch die dynamisch anwachsende Komplexität der Welt gestört zu werden. Denn nirgends sonst wird deutlicher, wie sehr sich die Disziplin von einer primär gestalterischen zu einer strategischen gewandelt hat. Seit Jahren konfrontiert die Zulieferindustrie die Kreativen mit innovativen Bausteinen für immer ausgeklügeltere Systeme. Ein neues Scharnier, ein neuer Beschlag, und die Schublade schmiegen sich fugenlos in asymmetrische Fronten. Neue Möglichkeiten erzwingen geradezu neue, immer gewagtere Formen. Teppiche aus Papier, innovative Bauelemente mit integrierter Heizung, Schall schluckende Oberflächenstrukturen verlangen nach neuen Einrichtungskonzepten. Heute bestimmen Scharniere, Oberflächen und innovative Materialien die Form. Die Ästhetik findet an der Oberfläche statt, doch im Kern steckt immer häufiger die Idee der Nachhaltigkeit. 

 

Frank A. Reinhardt 

 

www.interzum.de